Anne-Laure Bondoux

(c) Coline Peyrony

Geboren am 23. April 1971 in Bois Colombes/Frankreich.
Anne-Laure Bondoux hat Literaturwissenschaft studiert und lange Zeit als Journalistin gearbeitet. Sie ist mit dem französischen Komponisten François Peyrony verheiratet.
Auszeichnungen: 2007 ALA Best Books for Young Adults (USA); 2009 Premio Andersen (Italien); 2012 den 23. Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis für Die Zeit der Wunder; 2012 Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendbuch für Die Zeit der Wunder; 2012 Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Die Zeit der Wunder

Wann haben Sie begonnen Bücher zu schreiben?
Als ich 9 oder 10 war, habe ich zunächst kleine Geschichten geschrieben. Dann als Jugendliche Kurzgeschichten, die ich bei Wettbewerben einreichte. Zwischen 18 und 30 Jahren habe ich mehrere Romane geschrieben, für die ich aber keinen Verlag fand. Als ich etwa 30 war, hatte ich damit erste Erfolge.

Wie hieß Ihr erstes Buch?
Noémie superstar wurde 1999 beim Verlag Syros veröffentlicht. Es war eine kurze Geschichte für Kinder ab 8 Jahren. Ich war so stolz, dass mein Name auf dem Cover stand!
In diesem Jahr erscheint im gleichen Verlag eine Neuauflage.

Wie heißt Ihr neues Buch und worum geht es darin?
Vor kurzem habe ich einen Roman für den Verlag Gallimard Jeunesse abgeschlossen, der wahrscheinlich im September erscheinen wird. Ich habe für das Buch einen Titel vorgesehen, aber ich weiß nicht, ob es dabei bleiben wird... Ich möchte, dass auf jeden Fall das Wort “Morgendämmerung” darin enthalten bleibt. Die Geschichte spielt sich zwischen einer Mutter und ihrer 16-jährigen Tochter in einer Hütte am Seeufer innerhalb einer einzigen Nacht ab, zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Es ist eine Familiengeschichte, voller Geheimnisse, Lügen und Veränderungen.

Was lieben Sie an dem Beruf des Schriftstellers?
Viel! Zuerst einmal die Freiheit und die Überraschungen. Jeder Tag ist anders, wenn man an einer Geschichte schreibt. Ich mag es, wenn die Personen sich zusammen mit der Geschichte entwickeln. Ich sehe, wie sie aufblühen, wie ein Gärtner, der Blumen züchtet. Ich bin sehr gerne alleine, habe meine Ruhe, bin in meiner kleinen Welt. Aber sobald das Buch fertig ist, spreche ich wahnsinnig gerne mit den Lesern.

Was ist das Besondere daran, für Kinder und Jugendliche zu schreiben?
Zwischen mir und den Lesern gibt es einen großen Altersunterschied. Ein Jugendlicher, der nach 2000 geboren wurde, kann nicht das gleiche historische oder kulturelle Vorwissen haben wie ich, und ich kann nicht mit einem „Augenzwinkern“ oder mit Anspielungen arbeiten, die nicht zu seinem Erfahrungsschatz gehören. Wenn ich zu einem Erwachsenen zum Beispiel „Tschernobyl“ sage, so kann das schon reichen, um eine Reihe von Fakten, eine Epoche oder einen bestimmten Kontext hervorzurufen. Jugendlichen muss ich jedoch eine Erklärung liefern, wenn ich verstanden werden will. Das gilt auch für viele Dinge im Leben, auch wenn man in der Jugend vielleicht genaue Vorstellungen von Sexualität, der Zeit, die vergeht, der Angst, in dieser Welt zu leben, etc. hat. Ich habe zwangsläufig wesentlich mehr erlebt, behalte das also im Hinterkopf und versuche, diesen Unterschied zu berücksichtigen.

Was machen Sie, wenn Sie mal gerade nicht schreiben?
Ich gehe viel spazieren, ich lese, gehe zu Veranstaltungen, Ausstellungen, und seit einiger Zeit treibe ich fast täglich Sport. Fahrradfahren, Laufen. Ohne das wäre mein Beruf sehr bewegungslos! Und da ich nicht mehr 20 bin, muss ich diesen Körper, mit dem ich genauso viel schreibe wie mit dem Kopf, fit halten!