Marie-Aude Murail

(c) Claude Riva

Geboren 1954 in Le Havre. Marie-Aude Murail stammt aus einer Schriftstellerfamilie.
Ihr Studium der Literatur und Philosophie an der Sorbonne schloss sie mit ihrer Promotion ab. Heute zählt Marie-Aude Murail zu den beliebtesten zeitgenössischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen Frankreichs. Nachdem sie in Paris und danach sechs Jahre lang in Bordeaux gelebt hatte, wohnt sie jetzt in Orléans. Sie ist Mitglied der französischen Ehrenlegion (Legion d’honneur).
Auszeichnungen: Marie-Aude Murail und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Für ihren Roman ›Simpel‹ erhielt sie 2008 den Deutschen Jugendliteraturpreis (Jugendjury); mit „Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler“ stand sie 2012  auf der Liste Die besten 7 Bücher; „Ein Ort wie dieser“ erhielt den dritten Platz des Landshuter Jugendbuchpreises 2015

Wann haben Sie begonnen Bücher zu schreiben?
Wenn man mit dem Schreiben anfängt, schreibt man kein Buch, nur ganz kurze Geschichten. Zwischen dem Alter von 12 Jahren, wo ich die ersten Geschichten für meine kleine Schwester schrieb, bis zum Alter von 25 Jahren, wo ich zwei oder drei Jahre lang Kurzgeschichten für romantische Zeitschriften verfasste (Nous Deux, Intimité), und dazwischen in der Zeit als unsterblich verliebte 18-jährige mit meinem Tagebuch, habe ich lange geschrieben, ohne einen Verlag zu finden, der bereit gewesen wäre, ein Buch mit meinem Namen zu veröffentlichen…

Wie hieß Ihr erstes Buch?
Die Begegnung fand 1984 statt. Ich hielt mein Tagebuch über das Leben als Dreißigjährige in Händen, „wusste nicht, zu wem ich ja und zu was ich nein sagen sollte, unterwegs im Spannungsfeld zwischen Groll und Liebe, Verzweiflung und Leidenschaft“, so stand es später auf dem Klappentext, und ich begegnete einer Verlegerin, Fabienne Rubert. Die machte daraus ein Buch, Passage , das 1985 von dem Schweizer Verleger Pierre-Marcel Favre herausgebracht wurde. Das war kein Kinderbuch.

Wie heißt Ihr neues Buch und worum geht es darin?
Mein neues Buch besteht derzeit aus drei Büchern, einer Trilogie namens Sauveur & Fils (Sauveur & Söhne). Die beiden ersten Bände erschienen 2016, und beim dritten Buch mache ich derzeit die Fahnenkorrekturen. Es erscheint im März 2017. Sauveur ist der Vorname eines klinischen Psychologen, der in meiner Wahlheimat Orléans arbeitet. In seiner Praxis hat er es mit einer ganzen Generation von Jugendlichen zu tun, die nicht mit einer Welt zurechtkommen, wo die Erwachsenen offenbar nicht da sind, um ihnen bei ihren Problemen zu helfen… 

Was lieben Sie an dem Beruf des Schriftstellers?
Schreiben kann ich einfach am besten. Jugendbücher zu schreiben stellt mich darüber hinaus vor die Herausforderung, im Einklang mit meiner Zeit zu bleiben oder es zumindest zu versuchen. Diejenigen zu beobachten und ihnen zuzuhören, die Hannah Arendt die „Neuen“ nennt, die unermüdlich in meine Welt drängen, sie umstürzen und sie erneuern.

Was ist das Besondere daran, für Kinder und Jugendliche zu schreiben?
Aus dem vorhin schon genannten Grund bedeutet das Schreiben für Jugendliche immer wieder neu mit dem Schreiben zu beginnen: Ein Jugendbuchautor ist ein ewiger Anfänger vor einem in doppelter Hinsicht leeren Blatt. Auf diese Weise kann ich mir, immer noch und immer wieder, einbilden, eine junge Autorin zu sein…

Was machen Sie, wenn Sie mal gerade nicht schreiben?
Ich begegne Kindern und Jugendlichen, auch Erwachsenen, in Schulen und Bibliotheken, weiterführenden Schulen und Hochschulen, in Frankreich und im Ausland. Im letzten Jahr (2016) war ich in Mexiko, in Italien, in Moskau und in St. Petersburg und in vielen französischen Städten. Zwischen zwei Reisen lese ich Zeitung, schneide einige Artikel aus, lege Ordner an, erlebe den Zeitgeist, schaue Filme, Dokumentarfilme, lese Krimis, und lese sie noch einmal, da ich vergessen habe, dass ich sie schon gelesen habe…
Ach ja, ich habe ein Familienleben mit erwachsenen Kindern, die weit weg wohnen, in Paris, Amsterdam, London, mit Enkeln und meinem Ehemann. Meine Bücher entstehen in diesen vielen tausend Stunden, in denen ich nicht schreibe.