Harald Rosenløw Eeg

Geboren 1970, lebt mit seiner Familie in Oslo. 
Er studierte u.a. Religionswissenschaften und hat in verschiedenen Institutionen mit autistischen und verhaltensauffälligen Jugendlichen gearbeitet. Bevor er mit dem literarischen Schreiben begann, hat er als Journalist und Kolumnist für verschiedene norwegischen Tageszeitungen geschrieben. Seit seinem Debüt mit dem Roman Glasskår * 1995, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, zählt er zu den bedeutendsten Jugendbuchautoren Norwegens. 

Inzwischen hat er mehr als zehn Bücher veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet wurden.

*Der Film wird unter dem Titel Einschnitte im Rahmen des Buchwochen-Filmprogramms gezeigt (siehe auch das Filmprogramm).

 

Interview 

Wann und warum haben Sie sich entschieden, Schriftsteller zu werden?
Eigentlich habe ich mich nicht dazu entschieden. Es war, als hätte das Schreiben mich gefunden. Ich habe nach dem Abitur einige Jahre in Fetsund gearbeitet. Fetsund ist ein sehr langweiliger Ort in der Nähe von Oslo, vielleicht der langweiligste Ort Norwegens. Und während ich mich so langweilte, begann ich über Geschichten aus meinem eigenen Leben nachzudenken. Ich wollte sie aufschreiben. Als ich dann eine Geschichte aus der Wirklichkeit schrieb, bemerkte ich ziemlich schnell, dass ich zu lügen begann! Zuerst kämpfte ich dagegen an, aber in dem Augenblick, als ich begann, die Fähigkeit zu lügen zu mögen, schien es so, als würde es aus mir herausfließen. Ich wurde Autor, weil ich gut lügen konnte!


Was ist für Sie das Besondere an diesem Beruf?
Das ist sehr spannend, weil ich so tun kann als sei ich ein anderer als der, der ich bin. An einem Tag kann ich versuchen ein Polizist zu sein, an einem anderen ein König, oder eine Frau. Man lebt davon, zu lügen und zu stehlen. Ich lasse mich von Dingen aus meinem eigenen Leben inspirieren, aber sehr oft auch von Dingen, die ich lese, von dem Leben anderer. Ich bin wie eine Art Radar, der Dinge aufsammelt. Ich kann Geschichten stehlen und auf meine Art in sie hineinspringen. Aber am wichtigsten: Das Besondere ist, dass man schreiben MUSS! Das hört sich sicher ganz blöd an, aber viele, die sich wünschen zu schreiben, mögen es eigentlich nicht. Ich hingegen liebe es zu schreiben.


Was ist das Besondere daran, für Kinder- und Jugendliche zu schreiben?
Ich denke nicht besonders viel an Kinder und Jugendliche als Zielgruppe, wenn ich schreibe. Aber meine Hauptfiguren sind oft Jugendliche, und dann versuche ich natürlich die Figuren, so wie sie sind, zu verteidigen und zu verstehen. Egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Es ist immer ein Mysterium oder ein Geheimnis, eine Art Streben oder eine Art Suche, die meinen Büchern zugrunde liegt. Ich glaube, das ist ansprechend für Jugendliche.


Über welche Themen schreiben Sie gerne? Gibt es Themen, über die Sie niemals schreiben würden?

In meinen Büchern schreibe ich oft über Außenseiter und wie es ist, anders zu sein. Es gibt nichts, worüber man nicht schreiben kann. Aber das bedeutet nicht, dass ich über alle möglichen Themen schreiben möchte. Für mich kommen die Figuren oft vor dem eigentlichen Thema.


Wie heißt Ihr aktuelles Buch? Worum geht es darin?
Es heißt Kvartinger und handelt von einem Jungen, der herausfindet, dass er ein Klon ist.


Was machen Sie, wenn Sie mal gerade nicht schreiben?

Zurzeit schreibe ich viele Filmmanuskripte, fast mehr als Bücher. Ansonsten habe ich drei Kinder, mit denen ich viel Zeit verbringe. Da ich Musik mag, gehe ich auf Konzerte und Festivals. Sport mag ich auch, Fußball und Skifahren. Außerdem reise ich gerne.


(Übersetzung von Nele Jacobs)

Hier finden Sie eine Leseprobe aus "Aber raus bist du noch lange nicht" (2014, Gernstenberg Verlag, Hildesheim)