Iben Akerlie

Geboren 1988 in Oslo.
Sie ist Schauspielerin und Schriftstellerin. Sie gehört zu den talentiertesten jungen Stimmen Norwegens in der Kinder- und Jugendliteratur. Ihr Debütroman Lars, mein Freund wurde von 10.000 Kindern zum besten Kinderbuch Norwegens gewählt. 

 

 


Interview 

Wann und warum haben Sie sich entschlossen, Schriftstellerin zu werden?

Ich entschied mich mit dem Schreiben zu beginnen, als sich mir die fantastische Gelegenheit bot, ein Essay zu schreiben, das hier in Norwegen in einer Kulturzeitschrift veröffentlicht wurde. Das war im Jahr 2013. Aber ich war damals noch nicht so weit, um tatsächlich ein Buch zu schreiben. Es folgte zunächst unter anderem eine Reihe von Schauspieltätigkeiten, und ich legte die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben, noch zur Seite. Aber dann ermutigte mich der Lektor des Aschehoug Verlages und ich ergriff die Chance.


Was glauben Sie ist das Besondere an diesem Beruf?
Die Zurückgezogenheit und die Freiheit sind etwas, worauf ich größten Wert lege und was ich im Vergleich zu anderen, herkömmlichen Berufen als etwas Besonderes empfinde. Darüber hinaus ist es toll, seine eigenen Gedanken und Ansichten der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen.


Worin liegt die Besonderheit für Kinder und Jugendliche zu schreiben?

Ich kann das nicht mit dem Schreiben für Erwachsene vergleichen, denn das habe ich noch nicht gemacht. Aber ich kann sagen, dass es etwas Besonderes ist, denn Kinder sind unvoreingenommen und sehr ehrlich, vor allem bei der Rückmeldung und der kritischen Beurteilung. Darüber hinaus glaube ich, dass man vorsichtig sein sollte, Kinder zu unterschätzen oder zu glauben, man müsse sich dieser Zielgruppe in ihrer Besonderheit anpassen. Oft sind es ganz allgemeine Themen, die Kinder beschäftigen, weil das, was uns bzw. mich jetzt beschäftigt, hat mich auch damals schon als Kind beschäftigt. 


Über welche Themen schreiben Sie gerne? Gibt es Themen, über die Sie nicht schreiben wollen?
Ich schreibe gerne über Außenseiter, den Gegensatz von Angepasstheit und Individualität, über eigene Reisen, Persönlichkeitsbildung, Freundschaften, Selbstverständnis und Selbstdarstellung.
Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, worüber ich zukünftig schreiben will. Somit ist das Meiste wohl noch völlig offen.


Wie heißt Ihr letztes Buch? Und wovon handelt es?
Ich begann 2016 mit Lars, mein Freund. Es geht um die 11jährige Amanda, die erfährt, dass sie ein Schulpatenkind bekommen soll, das nicht wie alle anderen Kinder ist. Sie soll nämlich Patin für Lars werden, der etwa gleichaltrig ist und das Downsyndrom hat. Aber Amanda möchte sich nicht gerne von anderen Menschen unterscheiden. Sie will nicht auffallen und deshalb ist Lars bzw. sein Anderssein ein Problem. Außerdem ist Amanda unsterblich in ihren Klassenkameraden Adam verliebt. Selbst wenn sich im Inneren von Amanda alles gegen Lars sträubt und gegen alles, was er möglicherweise an Peinlichkeiten und Blicken heraufbeschwören könnte, so werden die beiden doch Freunde, jedenfalls im Verborgenen. Aber dann wird sie vor eine schwierige Wahl gestellt und verliert beinahe alles.
Mein letztes Buch heißt Das Riesenfest und ist bereits fertig, wird aber erst im Herbst 2019 herauskommen. Es handelt von einigen Kindern, die Nachbarn und Freunde zum „Riesenfest“ einladen. Eine Einladung landet irrtümlicherweise tief im Wald, wo der Riese Kim sie findet. Er ist überglücklich, denn seit 300 Jahren hat Kim keinen Kontakt zu Menschen, weil er unsichtbar für sie ist. Kim informiert seinen Freund, den Riesen Pandora, und zusammen entschließen sie sich, auf das Fest zu gehen. Dort zeigt sich, dass nur die Kinder auf dem Fest sie sehen können, nicht aber die Erwachsenen, was zu Verwirrung führt.


Was machen Sie, wenn Sie keine Bücher schreiben?

Ich arbeite als Schauspielerin oder schreibe Drehbücher.


(Übersetzung von Wulf Nordmann)

Hier finden Sie eine Leseprobe aus "Lars, mein Freund" (2018, dtv Reihe Hanser, München)