Marit Kaldhol

Geboren 1955 in Ålesund/Westnorwegen.
Sie hat Religion, Tanz, norwegische bzw. nordische Sprachen und Literatur, sowie Spanisch und lateinamerikanische Sprache und Literatur studiert. Bis zum Jahr 2000 hat sie als Lehrerin gearbeitet. Bereits 1983 startete sie nebenher mit ihrem ersten Buch ihre schriftstellerische Karriere. Heute ist sie freie Autorin und schreibt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: Lyrik, Kurzgeschichten, Romane. Außerdem schreibt sie Theaterstücke und Lieder. Sie geht mit unterschiedlichen Musikern auf Tournee, gibt Workshops in kreativem Schreiben und ist im In- und Ausland auf Lesereisen eingeladen.


Interview

Wann und warum haben Sie sich entschieden, Schriftstellerin zu werden?
Seit ich gelernt habe, Wörter auf Papier zu bringen, ist das Schreiben Teil meines Lebens. Ich habe immer viel geschrieben. Das ist meine Art und Weise, Eindrücke zu verarbeiten und die Welt, meine Mitmenschen und mich selbst zu verstehen. Es ist auch meine Art geworden, eine Stimme in der Gesellschaft zu sein. Deshalb war es logisch und sehr nahliegend, das Schreiben zum Beruf zu machen.


Was finden Sie besonders an diesem Beruf?
Vielleicht ist es besonders, dass man mehrere Leben parallel führt. Zusätzlich zu meinem Leben in der wirklichen, äußeren Welt, lebe ich in den erdichteten Universen. Das kann herausfordernd sein, aber auch bereichernd und vielseitig. Gleichzeitig ist es etwas Besonderes, dass die Ideen für meine Bücher aus eigenen Erfahrungen, Eindrücken, Gedanken und Gefühlen entstehen.
Was ist das Besondere daran, für Kinder und Jugendliche zu schreiben?
Das Kinder- und Jugendalter ist eine enorm entscheidende Zeit in der Entwicklung hin zu einem erwachsenen Menschen. Deshalb ist die Verantwortung dafür, wie ich den Kindern und Jugendlichen in schriftlicher Form begegne, außerordentlich groß. Die Herausforderung dabei besteht darin, die Welt durch die Augen eines jungen Menschen zu sehen, und gleichzeitig als Erwachsene auf die Zukunft hinzuweisen. Am ehesten möchte ich zeigen, dass es möglich ist, auf eine gute Art und Weise zusammen zu leben. Wenn ich für junge Menschen schreibe, muss ich es schaffen, gleichzeitig sowohl jung, als auch erwachsen zu sein.


Über welche Themen schreiben Sie gern? Gibt es Themen, über die Sie nicht schreiben möchten?

Meine Texte handeln oft von Personen, die ausgeschlossen, verlassen oder allein sind, oder sich so fühlen. Menschen, die sich keinem Ort zugehörig oder die sich nicht gesehen und verstanden fühlen, geht es schlecht. Ich möchte diese Menschen darstellen, um zu zeigen, dass es sie gibt, und auch, dass es nicht unnormal oder ungewöhnlich ist, wenn es jemandem so geht. In meinen letzten Büchern habe ich auch das Thema Artenschutz in meine Erzählungen integriert. 
Ich kann nicht gut über Themen schreiben, die nicht wichtig für mich sind.


Wie heißt Ihr letztes Buch? Wovon handelt es?
Mein letztes Buch (für Erwachsene) heißt mjølketannmuseet / das Milchzahnmuseum (2018) und ist eine Sammlung kurzer Erzählungen über Beziehungen, vor allem zwischen Eltern und Kindern.
Das neueste Jugendbuch heißt Z for sorry / Z für sorry (2017) und handelt von Susan, die alleine in eine Wohnung in der Stadt zieht, um zur Tanzschule zu gehen, aber mit den neuen sozialen Herausforderungen nicht zurechtkommt. Sie trifft Zlatan, einen Klassenkameraden aus der Grundschule, und die Beziehung läuft in eine unerwartete Richtung. 


Was machen Sie, wenn Sie keine Bücher schreiben?
Ich mag es, spazieren zu gehen, zu schwimmen, Fahrrad und Ski zu fahren, in meinem Garten zu arbeiten und mit Menschen zu reden. Manchmal halte ich Vorträge und gebe Lesungen, gerne zusammen mit Musikern. Selbstverständlich lese ich viel, ab und zu verreise ich, um für meine Bücher zu recherchieren. Es geht eigentlich darum, Eindrücke zu sammeln – nachzuspüren wie es ist, zu leben. 

(Übersetzung von Marie Kristin Grohmann)

Hier finden Sie eine Leseprobe aus "Zweet" (2017, Mixtvision Verlag, München)