Øyvind Torseter

Geboren 1972, lebt mit seiner Familie in Oslo. 
Er hat am Institute of Art and Design in Kent und an der Osloer Skolen for Grafisk Design studiert. Er veröffentlichte sein erstes Kinderbuch 1999. Seitdem hat er zahlreiche Bücher illustriert und auch eigene Texte geschrieben. Für sein umfangreiches künstlerisches Werk ist er mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. mit dem Bologna Ragazzi Award 2008. 2014 war er Finalist des Hans-Christian-Andersen-Preises.  2018 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Buch Der siebente Bruder.


Interview 

Wann und warum haben Sie sich entschieden, Illustrator zu werden?
Ich zeichne, seit ich ein Kind bin und habe auch als Teenager weiter gezeichnet, als viele damit aufgehört haben. Ich mochte es schon immer sehr, dass man eigene Welten und Geschichten in den Zeichnungen erschaffen kann. Als ich mich allmählich für eine Ausbildung entscheiden musste, fiel die Wahl auf Berufe, bei denen gezeichnet wird: Architekt, Cartoonist, Grafikdesigner, Illustrator, Künstler…
Als ich 18 war, begann ich an der Kunstschule zu studieren und wurde dann Illustrator.


Was ist für Sie das Besondere an dem Beruf?

Ich kann mit dem arbeiten, was schon immer ein großer Teil meines Lebens war: Das Zeichnen und das Erschaffen von Geschichten. Da ich nicht mehr angestellt bin, sondern freiberuflich arbeite, kann ich meinen Arbeitstag größtenteils selbst bestimmen. Ich freue mich jeden Tag darauf, zur Arbeit zu gehen und zu zeichnen. Das mache ich seit 20 Jahren.


Was ist das Besondere daran, für Kinder und Jugendliche zu zeichnen?
Wenn ich zeichne, ist meine Phantasie aktiv. Ich mag es, kleine Details zu zeichnen. Ich glaube, darin können sich viele Kinder wiedererkennen. In meinen Zeichnungen bin ich auch gerne humorvoll. Es darf gleichzeitig lustig und traurig sein. Oder lustig und unheimlich. Das mochte ich schon als Kind und mag es auch heute noch.
In meinen Zeichnungen verarbeite ich viele Dinge, an die ich mich erinnere, die ich gesehen oder gehört habe, oder die mir eingefallen sind. Es ist eine Art Collage. Ich versuche gar nicht, etwas Realistisches oder Wirkliches zu schaffen.


Mit welchen Themen befassen Sie sich gerne? Gibt es Themen, mit denen Sie sich nie beschäftigen würden?
Ich denke nicht so viel über Themen nach, wenn ich zeichne. Ich erkenne oft erst im Nachhinein, dass eine Zeichnung oder ein Buch ein bestimmtes Thema beinhaltet. Aber dies kann für jeden Leser etwas ganz anderes bedeuten. Ich glaube, dass man zu den meisten Themen zeichnen oder Bücher darüber schreiben kann. Es kommt mehr darauf an, wie verschiedene Themen behandelt werden. Mich zieht es oft in die Richtung von Projekten, bei denen ich Fantasie, Verwunderung und Humor benutzen kann. Ich liebe Projekte, die mich überraschen.


Wie heißt Ihr aktuelles Buch? Worum geht es darin?
Ich benutze zum Teil die gleichen Charaktere in mehreren meiner Bücher, selbst wenn die Bücher nicht Teil einer Serie sind. Ich stelle mir meine Charaktere als Schauspieler vor, die ich in unterschiedlichen Rollen und Geschichten einsetzen kann. Das neueste Buch heißt Altmuligmannen/Mann für alles. Die Geschichte handelt von einer Person, die einen Job als Mann für alle Fälle beim Präsidenten bekommen hat. Er kümmert sich um alle anfallenden Arbeiten: Er repariert ein Leck im Keller. Er bringt den Bürostuhl des Präsidenten in Ordnung. Er macht einen guten Job und bekommt dann das Angebot, auf den Atomkoffer des Präsidenten aufzupassen. Aber dabei tauchen Probleme auf. In Gestalt eines Doppelgängers. Das Buch ist sozusagen ein politischer Thriller.


Was machen Sie, wenn sie mal gerade nicht illustrieren?
Dann führe ich ein normales Leben als Familienvater. Meine Frau und ich haben drei Töchter, so dass zuhause immer viel los ist. Ich reise gerne und sehe gerne neue Orte. Ich koche auch sehr gerne.


(Übersetzung von Charlotte Saebisch)

Hier finden Sie eine Leseprobe aus "Hans sticht in See" (2019, Gerstenberg Verlag, Hildesheim)